n Leipzig gibt es einen Mangel an bezahlbaren Grundstücken für Eigenheimbauer, die sich ein freistehendes Einfamilienhaus errichten möchten. Nach Einschätzung von Matthias Meindel, Vorstand der CONCEPT Group, gibt es derzeit nicht einmal 50 bauträgerfreie Baugrundstücke in ganz Leipzig, die sich für den Bau eines klassischen Häuschens eignen. „Die großen Eigenheimstandorte, die Leipzig einst ausgewiesen hatte, sind rund 15 Jahre und älter“, erklärt Matthias Meindel. Dazu zählen zum Beispiel die Thomas-Müntzer-Siedlung in Knauthain sowie Siedlungen in Burghausen-Rückmarsdorf und Wiederitzsch. Sie alle sind in den 90er Jahren entstanden. Damals entwickelte sich daraus ein Überangebot, auf das die Stadt mit einem Planungsstopp reagierte. Stattdessen werden momentan laut Wohnungspolitischem Konzept innerstädtische, integrierte Wohnlagen bevorzugt, die sich aber für ein freistehendes Haus mit Garten meist nicht eignen.

Der Bedarf an Bauland wird sich mit den steigenden Einwohnerzahlen aber weiter erhöhen. Zumal Leipzig mit einer Wohneigentumsquote von rund 11% noch immer weit hinter Dresden (14%) und Chemnitz (15%) sowie Gesamtsachsen (33%) liegt und Aufholbedarf hat. Wenn Leipzig nicht reagiert, werden Familien wohl ins Umland ziehen müssen.

Die Grundstückspreise steigen

„Es gibt zu wenige Baugrundstücke in Leipzig“, bestätigt auch Timo Pinder, Geschäftsführer von PISA IMMOBILIEN. „Das zeigt sich an den in den letzten Jahren stark gestiegenen Grundstückspreisen“, so der Immobilienfachmann. „Sie haben sich in den letzten vier Jahren um 24 Prozent erhöht.“ Im vergangenen Jahr kosteten Grundstücke für den individuellen Wohnungsbau laut dem Leipziger Grundstücksmarktbericht 124 Euro/m2. Das sind 24 Euro/m2 mehr als noch 2011. Im Schnitt zahlten Käufer 77.712 Euro für ihr Grundstück (2011: 57.689). Davor blieben die Preise viele Jahre nahezu stabil.  „Dieser drastische Preiszuwachs ist ein starker Indikator dafür, dass die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt“, so Timo Pinder.

Steigende Wohnungsmieten führen zu hoher Eigenheimnachfrage

Das bisher große Angebot an sanierten Altbauwohnungen in den traditionell gefragten Stadtteilen wird immer knapper. „Derzeit stehen laut aktueller Erhebungen noch 7 Prozent aller Wohnungen in Leipzig leer“, erklärt Timo Pinder. „Es mangelt an familiengerechten Wohnungen mit vier Zimmern“, bescheinigt auch der jüngste Immobilienkompass von capital.de. Konsequenz: Die Mieten steigen. „Familien müssen deshalb Alternativen suchen. Ein eigenes Grundstück, auch als Altersvorsorge, ist für viele dabei ein gutes Argument“, stellt Pinder in seiner täglichen Arbeit fest.

Familien bevorzugen grünes Umfeld – verliert Leipzig Einwohner?

Unternehmen wie BMW, Porsche und DHL holen nicht nur hochbezahlte Führungskräfte nach Leipzig, die in schicken Penthauswohnungen leben möchten. Auch Facharbeiter und Angestellte mit mittlerem Einkommen ziehen nach Leipzig. „Mit ihren Familien wollen sie sich den Traum vom kleinen Häuschen im Grünen erfüllen“, so Matthias Meindel. Sie benötigen bezahlbare Grundstücke, die es derzeit in Leipzig kaum gibt, wohl aber in den Umlandgemeinden. Viele zieht es deshalb dorthin. Die Randlage von BMW, Porsche, DHL und Co. am nördlichen Stadtrand befeuert dabei diesen Trend noch.

Ein Rechenbeispiel zeigt: Ein relativ preiswertes Stadthaus in Gohlis mit etwa 160 m2 Wohnfläche und einem Grundstück von rund 230 m2 kostet 320.000 bis 350.000 Euro. Im Gegensatz dazu zahlt man für ein 1.000 m2-Grundstück mit viel Platz für die Kinder und günstigem Eigenheim in Wiesenena bei Wiedemar oder in Gordemitz mit S-Bahn-Anbindung rund 220.000 bis 240.000 Euro. Damit bleibt man weit unter dem Preis von Gohlis. „Die Stadt ist gut beraten, nun beherzt Bauland auszuweisen und Baurecht zu schaffen. Brachflächen, wie zum Beispiel nördlich der Max-Liebermann-Straße gibt es in großer Menge. Auch ist die von der Stadt selbst entwickelte Thomas-Müntzer-Siedlung seit Jahren stiefmütterlich behandelt worden. Die wachsende Stadt Leipzig darf den Bedarf an Eigenheimgrundstücken nicht ignorieren“, so Matthias Meindel.

Foto: fotolia.de

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